Donnerstag, 28. Juni 2007
Post !!!
das Versorgungsflugzeug hat zwar die gesamte food box vergessen - also keine Nutella, kein Joghurt für den Obstsalat und kein Bier, aber den Brief der Eltis und Philipps Karte gebracht! ui, das war schön! ich habe mich extrem gefreut! der passende Abschluss für einen bewegten Tag mit Kaiserschnitt und Explosionen.
es ist schon erstaunlich, dass das klappt! aber wie unser Logistiker in Nairobi sagt, wenn man sich Mühe gibt, bekommt man alles überall hin (soll er sich mal Mühe geben und den Joghurt auf den Weg bringen, oder zumindest die Nutella, es gibt nämlich keine Schokolade in diesem Land. wer plumpy nut nach Nordkorea transportieren kann, kann doch bitteschön vielleicht auch Nutella nach Somalia schaffen!).
"I die before you die"
Dann krachte draussen eine Explosion und noch eine, und Abdirahim hob den Kopf und fragte besorgt "are you scared?". Ich war ehrlich gesagt noch in den letzten OP-Bericht vertieft (oh ja, man muss einen OP-Bericht schreiben, und zwar per Hand, nix copy paste vom letzten Mal), und es knallt ja ab und zu, wenn auch vielleicht nicht so heftig. Und dann kam der Satz, der eigentlich nur in ganz alten Filmen oder ganz schlechten SAT 1-Fensehproduktionen auftaucht: "before you die, I die". Ziemlich absurd! Aber hier, in dieser von archaischen Clanstrukturen geprägten Welt, wo die meisten Auseinandersetzungen tatsächlich mit der Waffe in der Hand ausgetragen werden, ist das plötzlich ernsthaft. und gleichzeitig der grösste Beweis von Freundschaft, im Bewusstsein, dass es tatsächlich dazu kommen kann, anders als in Europa, wo ein Satz wie "dafür würde ich mein Leben geben" halt im Konjunktiv bleibt.
ich schreibe Euch das nicht, um Euch zu beunruhigen. Eher, um Euch zu erzählen, dass ich mich sehr gut beschützt fühle hier, dass ich gut aufgehoben bin in einem Netz, das ich zwar selber nicht so ganz verstehe, das mich aber offenbar akzeptiert und schätzt. Meine Antwort war übrigens "but I don't want you to die", und die ebenso absurde Replik "we all have to die one day, and then I prefer dying for a friend". uff. soviel Heroismus zwischen Tee und Kacheln!
wir haben danach übrigens nichts mehr zu tun bekommen, auch wenn wir noch eine weitere kleine Operation gemacht haben und danach noch ein bisschen im Krankenhausgarten herumgesessen sind und auf potentielle Patienten gewartet haben. Die beiden Handgranaten haben getroffen, und danach war das eher eine Sache für den Imam als für die Aerzte. Das mit dem Sterben ist also kein leeres Wort.
Kaiserschnitt
einzige Komplikation: der Mutter zu erklären, dass sie das Mädchen vielleicht doch nicht Christine nennen sollte - nicht wirklich ein guter Name in einem islamischen Land, fand ich ... wir haben uns dann auf Halima geeinigt, auch wenn Hassan das langweilig findet.
Mittwoch, 27. Juni 2007
ein normaler Tagesablauf
morgens weckt mich der Muezzin um 4:30 Uhr. Das ist wunderbar, denn das fühlt sich auf eine Art an wie an einem Sonntag morgen zu Hause. Man wird kurz wach und realisiert, dass man sich nochmal in aller Ruhe auf die andere Seite drehen und weiterschlafen kann. Gegen 6:00 Uhr wird es hell, was die Hähne der Nachbarschaft auf den Plan ruft. Diese Biester gehören in den Kochtopf! ich verstehe nicht, wie diese mageren staubigen Federspirindel so einen Lärm machen können und vor allem so ausdauernd! das weckt auch unsere Wachen, und da die direkt unter meinem Fenster schlafen, wecken sie mich auch, zusammen mit den Hähnen. Ich brauche also keinen Wecker, was insofern gut ist, dass mein Reisewecker pro Tag ca. eine Stunde nachgeht, der Trödler.
Dann Dusche (kalt) im Halbdunkel (weil noch kein Stom), und dann geniesse ich es jeden Morgen ungeheuer, als erste auf der Dachterasse zu sein, mit einer Tasse heissen Tee (Kaffee hier ist Nescafé, also halte ich mich an den Tee, süss mit viel Milch), dem Licht des Sonnenaufgangs und den Geräuschen einer aufwachenden Stadt. Zum Frühstück gibt es eine Art matschiges Weissbrot, und unsere Köchinnen machen morgens Rührei oder Omelette, das man prima in das Brot stopfen kann. Es wird schwer werden, mir diese morgendliche Trödelzeit wieder abzugewöhnen!
Um 7:30 Uhr brechen wir ins Krankenhaus auf, immer mit Hassan, meistens mit Fatuma, und mit denen, die sonst schon fertig sind und noch ins Auto passen. Das Auto ist ein Pick-up mit Rücksitz, und unser Rekord liegt bei 7 Leuten drin. Hinten drauf sind seitlich Bänke montiert, die für unsere zwei bewaffneten Begleiter sind. Nach knapp 5 Minuten Gerumpel über die Staubstrasse, an Eselskarren und Markständen und Läden für alles sind wir im Krankenhaus.
Je nach dem ist Abdirahim schon da oder kommt noch (er wird ebenfalls mit Auto und Begleitschutz zu Hause abgeholt). Dann machen wir uns auf den Weg für die Visite. Erst Aufwachraum, der gleichzeitig Intensivstation ist, d.h.: 4 Betten, ein Sauerstoffkompressionsgerät (d.h. das Gerät komprimiert den Luftsauerstoff auf max. 50%) und halbwegs kompetente Pflege. Hier hat auch Maria manchmal Kinder mit schwerer Lungenentzündung. Dann die chirurgische Männerstation (23 Betten), wo es schon kritischer wird mit Fragen wie "wie ist der Blutdruck" oder Problemen wie "Doctoressa, der Patient hat Fieber" - "wie hoch?" - "weiss nicht, hab nicht gemessen" - "woher weisst Du dann, dass der Patient Fieber hat?" - grosse Augen, leicht beleidigte Mundwinkel "das hat mir der Patient selber gesagt!". ok, Thermometer holen, warten, und dann lachen über "aber eben hat er ganz sicher noch ganz hohes Fieber gehabt!". Die Visite machen also Abdirahim, Hassan, die Schwester und ich, zusammen mit einer undefinierten Menge an "interessierten Personen", z.B. Anästhesiepfleger, OP-Personal, andere Schwestern, besorgte Angehörige, Ahmed, grlangweilte andere Patienten ... aber da die Station sowieso ein einziger grosser Saal ist, kommt es darauf auch nicht an, und die Privatsphäre ist ohnehin ziemlich limitiert. Danach gehen wir auf die Pädiatrie gleich um die Ecke, nächster grosser Saal, wo wir, mehr aus Platzgründen, die cirurgischen Kinder untergebracht haben. Danach gehen wir auf die Wochenbettstation, die wir kurzerhand in die chirurgische Frauenstation umfunktioniert haben, da Frauen nach der Geburt hier in der Regel nach Hause gehen und wir a) die Betten brauchen und b) die Schwestern beschäftigt halten wollen (was die nicht immer so toll finden). Aber letztlich ist das Chirurgenteam auch für die Schwangeren zuständig, und meine Kenntnisse in Geburtshilfe verdoppeln sich täglich, zur Begeisterung von Abdirahim, selber Vater von 5 Kindern, der sich totlacht darüber, dass offenbar Chirurgen in Europa keine Geburtshilfe machen (und Frauen nicht automatisch alles darüber wissen, was es so zu wisen gibt). Hier kommt auch Maki mit, unsere japanische Hebamme, die noch ein bisschen schwimmt in diesem leichten Durcheinander.
Erstaunlicherweise schaffen wir diese Visite in der Regel in 1-2 Stunden, und dann gehen wir in den OP. Wir planen in der Regel nicht mehr als 2 elektive Eingriffe pro Tag, und dann kommen immer noch zwischen 1 und xxx Notfälle hinzu, wir werden also entweder zwischendurch in die Notaufnahme gerufen, oder die Patienten lungern vor dem OP herum und greifen sich den erstbesten, der einen Zeh aus der Türe streckt, um ihm einen Zettel oder ein gruseliges Bein unter die Nase zu halten. Am Anfang dachte ich, ich werde wahnsinnig in dem Chaos, aber einmal drin, ist das ein erstaunlich flexibles System und funktioniert gut. So oder so geht um 12:30 Uhr der Strom aus, und dann muss irgendjemand den Generatortyp auftreiben gehen, der es aus unerfindlichen Gründen nicht schafft, kurz vorher selber vorbeizukommen, um zu fragen, ob wir vielleicht Licht brauchen ...
Normalerweise sind wir zwischen 12 und 2 fertig im OP, und dann kommt die geheiligte Mittagspause: Abdirahim nach Hause auf die andere Seite des Flusses, wir zurück in unser "Hotel", es gibt Reis, gebratene Ziege (Schaf, Kamel, je nach Markt) mit Zwiebeln und grüner Paprika, eine Art rote Gemüsesauce (Suppe?), Pommes Frites, gebratene Leber mit Zwiebeln und grüner Paprika (die ich nicht anrühre), und Melonen/Papaya/Mango. Danach - Mittagsschläfchen!
um 16:00 Uhr fahren wir wieder zurück ins Krankenhaus, machen Problemvisite (die irgendwie nicht so spannend zu sein scheint, jedenfalls werden wir von deutlich weniger Leuten begleitet als morgens, auch die Schwestern finden's eher lästig), schauen nach den frisch operierten vom Morgen, und manchmal, je nach Notfällen und Vormittagsprogramm, gehen wir nochmal in den OP. Auf jeden Fall trinken Abdirahim, Hassan und ich Tee unter den Bäumen im Garten, lassen den Tag Revue passieren und plaudern, oft zusammen mit dem OP-Team, Schwestern und den besorgten Patienten, die die Problemvisite verpasst haben, weil sie ihrerseits gerade Mittagsschläfchen im Garten gehalten haben.
Montags und Donnerstag ist Sprechstunde. Sprechstunde ist ja nie und nirgens die Lieblingsbeschäftigung von Chirurgen, aber hier ist es die Hölle. Abdirahim und ich quetschen uns hinter den Schreibtisch, Hassan daneben, ein OP-Pfleger irgenwie auch daneben, und eine weitere Schwester macht eine Liste der ca. 100'000 Leute, die vor dem Fenster im Garten sitzen. Wir schaffen knapp 10 Patienten pro Stunde, füllen unsere Operationswarteliste, verschreiben Medikamente, und ich werde das Gefühl nicht los, dass wir so eine Art Mülleimer des Krankenhauses sind: wann immer Dr. Halane oder Dr. Bashir nicht weiterwissen - schwupps - surgical consults. Abdirahim und ich haben eine heimliche top ten-Liste der sinnlosesten Konsultationen erstellt, einsam an der Spitze: "Bewusstlosigkeit". Als die Schwester mit diesem Triagezettel erschien, haben wir den Patient sofort vorgezogen, Schwester wieder vor die Türe geschickt ... nicht passierte. Nach einer Ewigkeit kam die Schwester wieder, der Patient sei nicht auffindbar, aber sein Bruder sagte, er sei gerade auf die Toilette gegangen (gegangen? bewusstlos?) und käme sicher gleich zurück. Das nennt man Wunderheilung!
Spätestens um 18:00 Uhr müssen wir wieder zurück in unserem "Hotel" sein, abgesehen von den unvermeidlichen Notfall-Schussverletzungen und Notfall-Kaiserschnitten.
Die Sonne geht auch etwa um diese Zeit unter (Aequator!), und dann ist Zeit für ein Schwätzchen in der Abenddämmerung, abgelöst von Petroleumlampenlicht, ein bisschen Hängematte, ein bisschen Lesen, ein bisschen Faulenzen. Und die OP-Statistiken wollen gemacht werden, die Stationsstatistiken, Vorbereiten von Unterricht, Nachlesen von obskurn Diagnosen (Geburtshilfe!), wobei Hassan und ich uns darauf geeinigt haben, dass wir den Statistikkram zusammen machen, weil's schneller geht, mehr Spass macht und weniger schmerzhaft ist.
Abendessen ist Nudeln (ein Erbe der italienischen Koloniezeit), Ziege/Schaf/Kamel mit Zwiebeln und grüner Paprika, rote Gemüsesauce, Omelette, und Melone/Papaya/Mango. Das erinnert Euch an unser Mittagessen? uns auch! aber nicht zu vergessen: mittags = Reis, abends = Nudeln. Damit der Tag eine Struktur hat! Der Sicherheitsbeauftragte aus Genf hat letzten Donnerstag ein grosses Glas Pesto mitgebracht, und wir haben ihn dafür zum Helden von Belet Weyne ernannt (für einen Tag, dann war das Pesto alle).
Meistens gehe ich gegen 22:00 Uhr schlafen - dann stellt der Strom der Stadt ab, und unser Generator lärmt dann zwar noch ein bisschen vor sich hin, aber irgendwie ist der Tag dann auch zu Ende.
Jeden Donnerstag kommt das Flugzeug aus Nairobi. Es bringt neue Leute, holt andere ab (Maria und Annelise verlassen uns morgen für eine Woche, um ihre rest&recreation-Zeit in Kenia am Meer zu geniessen), und bringt medizinisches Material, Olivenöl, Ersatzteile und alles, was diese Stadt nicht hergibt. Allerdings ist erstaunlich viel erhältlich hier, und unsere Hausgeister sind ziemlich effektiv darin, uns alles mögliche zu beschaffen, wenn es erst mal gelungen ist, ihnen klarzumachen, was man will.
Damit kommen wir zu Babylon. Die Hauptsprache unter uns expats ist Englisch, das wir (bis auf Maki) alle ausreichend sprechen, und französisch, wenn ich mit den Franzosen alleine rede. Mit Abdirahim spreche ich Englisch, das funktioniert gut, ausserdem sind wir ja sowieso meistens einer Meinung. Somali ist eine Katastrophe von Sprache: die Vokale scheinen ziemlich austauschbar zu sein, speziell a, ä, e und o scheint man beliebig mischen zu können. Deshalb schreiben sie sie wohl auch gerne gleich doppelt (Somaalia). Und H (Hassan) schreiben sie als X (Xassan), Abdi wird zu C/, und überhaupt scheint weglassen von Buchstaben für alle anderen logisch zu sein (Ibrhm ... Abllhi ... Mogshu ... ich lasse Euch raten). Ich gebe mir extrem Mühe, wirklich, aber über maaga'aan - wie heisst Du und subahu waanagsan - guten Morgen komme ich irgendwie nicht hinaus. Also rede ich leidlich Englisch mit den Schwestern und dem OP-Personal, bzw. Abdirahim und Hassan übersetzen, und die Patienten sprechen meistens halt ziemlich fliessend Somali. Ab und zu erwische ich jemand älteren, der einigermassen italienisch spricht, das war z.B. die Lösung mit dem Chef des health committees - und der italienische Einfluss ist auch spürbar, wenn die Patienten doctoressa sagen (das bin ich). Was soll's, das hält das Hirn beweglich!
Sonntag, 24. Juni 2007
allerdings ist es wie verhext: wenn ich zurückschreibe, hat die Verbindung die unhöfliche Tendenz zusammenzubrechen ... ausserdem braucht die gmx-Seite eine Ewigkeit, um sich aufzubauen. Es ist also einfacher, Kommentare in den weblog zu schreiben ...
ich denke übrigens immer wieder an Euch - so ausgelastet sind wir hier nun auch wieder nicht, als dass ich nicht abends beim Anblick eines riesigen afrikanischen Sternenhimmels über der Hängematte ein paar Gedanken nach Europa schicken würde!
Freitag, 22. Juni 2007
Namen
Deshalb bin ich konsequenterweise Dr. Christine, denn Dr. Maurus wäre ja der Papa ... wobei eigentlich ja auch nicht, denn Papa wäre Dr. Wolfgang. Für die Leute hier ist es absolut seltsam, dass wir einen Familiennamen haben, der von Generation zu Generation weitergegeben wird und den sogar - ungläubiges Staunen, Gelächter und mildes Kopfschütteln, die Ehefrau nach der Heirat annimmt! dann heisst sie ja plötzlich anders! wie repressiv! und wie unpraktisch!
Freitag - freier Tag?
kleiner Schönheitsfehler: das quäkende Funkgerät, das schon früh "Dr. Halane for Emergency Room" und dann einen aufgeregten Schwall Somali von sich gab, mitten in meine Morgenträume. Na ja, ich bin ja nicht Dr. Halane ... aber trotzdem fand ich, es könne eine gute Idee sein, schon mal die Dusche aufzusuchen. Und natürlich, eine halbe Stunde später: "Dr. Christine for Dr. Halane". Ich habe mir dann doch noch einen Moment für Frühstück und Haare kämmen ausgeboten (schliesslich Freitag, und da machen sich alle anderen auch schön), um dann auf einen inkarzerierten Leistenbruch zu stossen. Fein - Abdirahim mit dem Fahrer holen lassen, Hassan aus dem Bett gestöbert, den OP-Pfleger angeworfen ... und dann standen wir im OP. Dummerweise war die gesamte OP-Kleidung gerade in der Wäsche gewesen und baumelte noch tropfend an der Leine - und da es gerade fast kühl ist, war sie auch nicht so schnell zum trocknen zu bewegen. Also Strassenkleidung, Gummischürze und sterile Kleidung drüber, und ein kleines Stossgebet an die Klimaanlage. Und die inkarzerierte Hernie endete in Laparotomie und Dündarmresektion, riesiger Bauchwanddefekt, ein Fest für die Chirurgen und ein Meisterstück der Anästhesie, die uns mit Ketamin und Valium eine super Narkose hingezaubert haben!
Abdirahim und ich waren so zufrieden - haben uns gegenseitig assistiert "nähst Du den Dünndarm?" - "oder Du die eine Hälfte und ich die andere?" - und willst Du ein- oder zweischichtig?" - "und Du, willst Du mit Mucosa, oder extramucosal?" - "hä?" - "komm, ich zeig's Dir!", dabei über verschiedene Techniken diskutiert und am Ende einträchtig nebeneinander die Füsse gewaschen. Seine abschliessende Frage "warum denkst Du eigentlich immer genau das gleiche wie ich?" hat er dann gleich selber beantwortet: "weil wir gut sind!". Schöne Grüsse an Dr. Wanner - es muss doch irgendein bisher unentschlüsseltes universales Chirurgengen geben, dass einem über alle Landes- und Kulturgrenzen hinweg diese Antwort eingibt! Hassan hat sich gebogen vor Lachen! aber er hat sich ja auch nicht die Füsse dreckig gemacht ...
und nach Mittagessen und Mittagsschläfchen war es dann fast ein Klacks, noch einen grösseren Verkehrsunfall zu versorgen und dann gemütlich zu beschliessen, die Röntgenbilder erst morgen anzuschauen. Schliesslich ist unser freier Tag!
Donnerstag, 21. Juni 2007
Zeiten und Wochentage
In Somalia fängt der Freitag allerdings mit dem Ende des Donnerstag-Tags an, also bei Sonnenuntergang ... die Freitag-Nacht ist also vor dem Freitag-Tag ... herzlichen Glückwunsch! jetzt müssen wir halt die genauen Uhrzeiten und Daten festlegen, aber das sind so kleine Stolpersteine, mit denen man erst mal rechnen muss!
ein zweiter Punkt ewiger Konfusion ist die Uhrzeit. Somalia ist Euch eigentlich eine Stunde voraus, und der Tag teilt sich hier auch in 24 Stunden auf. Allerdings leben manche, vor allem ältere Somalier, unverdrossen nach einer Art lokaler Zeit, die der normalen hiesigen um weitere 6 Stunden voraus ist. Heute mussten wir einen ziemlich aufgebrachten Nomaden wieder beruhigen, der um 10:00 Uhr morgens in unserer Sprechstunde war, den wir zum Röntgen geschickt und gebeten haben, am Nachmittag um 16:00 Uhr wieder zurückzukommen. Er fand uns vollkommen trottelig, da es auf seiner Uhr ja schon 16:00 Uhr war ... (10 Uhr plus 6 Stunden = 16:00 Uhr), und er hatte ernsthafte Zweifel an den sonstigen Kenntnissen dieser Doktors, wenn die nicht mal wissen, wie spät es ist! Folglich ist es auch überhaupt nicht merkwürdig, um 4:00 Uhr morgens schlafen zu gehen, und die Sonne geht eben immer um 12:00 Uhr auf! Danke Abdirahim, er hat sich rechtszeitig an diese alte Sitte erinnert.
Ihr könnt Euch vorstellen, dass es manchmal ein kleiner Kampf ist herauszufinden, wann genau welches Medikament gegeben wurde und um wie viel Uhr der Schichtwechsel der Schwestern zur Nachtschicht wohl stattfinden wird ...
Montag, 18. Juni 2007
unser Team
zunächst Mario, unser Chef, ein Sean-Connery-artiger Mit-fünfziger Franko-Kanadier, der unsprünglich mal Informatiker ist und sein halbes Leben im Dienste der Menschheit (und des Abenteuers) mit Médecins sans Frontières zugebracht hat. Er ist hauptsächlich für unsere Sicherheit zuständig, also auch dafür, dass wir uns nur zwischen Hotel und Krankenhaus bewegen können, versucht, die administrativen Abläufe zu koordinieren, und natürlich, die Truppe bei Laune zu halten (z.B. indem er versucht, unseren Köchinnen beizubringen, wie man auf einem Kohleofen Pommes macht - so langsam wird's!). Wahrscheinlich hat er alle möglichen Konflikte, Reibereien und Zickereien schon mehr als einmal erlebt und geht entsprechend gelassen damit um, und ausserdem war er vorher schon mal für 9 Monate in Somalia, kennt also den Kontext. Allerdings bricht er sich am somalischen Morgengruss immer noch die Zunge ab ...
das Mädchen für alles ist Pierre. Der Arme muss als logistics coordinator immer dann auf den Plan treten, wenn eine Steckdose nicht funktionniert (gerne die einzige im Aufwachraum, an der die Sauerstoffkompressionsmaschine hängt), eine Wasserleitung leckt, die Klimaanlage im OP auf den Anästhesisten tropft, das Internet mal wieder hängt, das Gestänge für die Hängematte zusammenbricht - das sind reele Beispiele der letzten 10 Tage. Ich an seiner Stelle würde das Funkgerät hassen "Pierre, Pierre, Pierre for Christine", er hingegen erträgt auch absurde Verhandlungen mit dem Schreiner über den neuen Schrank, dessen Türen zu gross sind und deshalb nicht schliessen (und der Schreiner will mehr Geld, weil grössere Türen = mehr Holz = Holz ist kostbar in diesem Land und teuer). Ohne ihn würden wir wahrscheinlich nach 3 Tagen nicht mehr arbeiten können, und dementsprechend versuchen wir nach Kräften, ihn pfleglich zu behandeln. Allerdings sollte er dringend das Problem mit der nächtlichen Wasserzufuhr im Krankenhaus lösen, damit wir uns für die nächste Schussverletzung nicht wieder die Hände mit Infusionslösung waschen müssen, weil die Wasserpumpe nachts nicht funktionniert - und Pierre, wo Du gerade da bist, die Steckdose ...
Maria ist die Kinderärztin. Eine temperamentvolle, lustige Argentinierin, die mit den Schwestern um die richtige Dosierung der Ergänzungsernährung kämpft, mit der Apotheke um die richtige Medikamentendosierung, mit den Müttern um die Frage, ob der Durchfall seit 3 Tagen oder 3 Wochen besteht und mit Pierre wegen der Steckdose. Leider kämpft sie, in diesem Fall ziemlich vergeblich, auch mit ihrem somalischen Kollegen Doktor Bashir (von ihm später), der sie nicht akzeptiert. Mit ihr verstehe ich mich super, und mit ihr kann ich sowohl Patienten besprechen als auch herrlich herumalbern.
Annelise ist eine französiche Krankenschwester, ein eher ruhiger besonnener Typ, die immer überall dort ist, wo es brennt, und uns oft ziemlich stillschweigend unter die Arme greift. Sie gibt sich unendlich Mühe mit den Schwestern, von denen manche knapp lesen und schreiben können und die zum grossen Teil überhaupt keine Ausbildung haben.
Der französiche Chirurg, der noch bis Mitte der Woche hier ist, heisst ebenfalls Pierre und ist eine Mischung aus erleuchtetem Buddha und pragmatischem erfahrenem Arzt (wenn man sich das vorstellen kann). Wir arbeiten gut zusammen, er bringt mir eine Menge bei nicht nur über Arbeiten in semi-sterilem Umfeld mit limitiertem Instrumentarium, sondern auch über Sinn und Unsinn von humanitärer Hilfe. Ich bin nicht immer ganz einverstanden mit seiner leicht pessimistischen Sichtweise, aber vieles entspricht sicher der Erfahrung, und ich bin froh, dass er hier ist.
Die Hebamme heisst Maki und kommt aus Japan. Maki hat die undankbare (oder herausvordernde Aufgabe, wie man will), die Geburtsstation aus dem Boden zu stampfen. Das heisst, dass sie erst mal die einheimischen Hebammen ausbildet, mit Hilfe von Bildern, einem Baby aus einem Regenmantel und einer Handtuch-Plazenta und einem Uebersetzer, und sie ist ein wenig überfordert davon, dass ausnahmslos alle Frauen beschnitten sind und alle schwangeren Frauen, bei denen wir sie bisher dazugerufen haben, tote Babies auf die Welt gebracht haben. Aber sie hat viel Phantasie und Humor, und es wird von Tag zu Tag besser für sie.
Der Anästhesiepfleger ist Hassan und kommt aus Kenia. Vorteil Nr. 1: er versteht die Sprache. Vorteil Nr. 2: er versteht die Mentalität ("Christine, Du kannst die Leute nicht so pessimistisch aufklären. Du musst ihnen Mut machen!"). Er ist die Geduld in Person, unermüdlich hinter den Schwestern und den Verordnungen her, ein hervorragender Partner zum Diskutieren, manchmal ziemlich verträumt, aber bisher immer dann aufgewacht, wenn es dringend wurde. Und er macht hervorragende Narkosen. Ausnahme: sein Mittagsschlaf ist heilig. Das wiederum stört mich überhaupt nicht :-)
Der OP-Pfleger und Antreiber hinter allem und jedem ist Sakata, ebenfalls aus Kenia, schon ein bisschen älter und mit allen Wassern gewaschen. Er ist nicht die Geduld in Person, und wehe, einer der somalischen OP-Pfleger verwechselt mal wieder Schere mit Klemme! Mich hat er Gott sei Dank ins Herz geschlossen, schnipselt mir Obstalat jeden Abend und ist wirklich immer zur Stelle, wo man ihn braucht: zum Uebersetzen, mit dem Apothekenschlüssel für Antibiotika mitten in der Nacht, mit der schriftlichen Operationseinwilligung, und eben dem Obstsalat (er ist davon überzeugt, dass Papaya gegen jedes Leiden der Welt hilft, und mein Einwand, dass ich keine Papaya mag, wurde mit abfälligem Schnauben abgetan. ok, dann mag ich eben Papaya).
und schliesslich Fatuma, ebenfalls kenianische Laborantin. Sie entspricht vollständig dem Bild einer afrikanischen Mama: kugelrund, gemütlich, platzt nicht gerade vor Engagement, aber lieb, und sie findet immer, wirklich immer, etwas zum Lachen. Und ich war verdammt froh um sie, als ich die erste Patientin mit selbstinduzierter Abtreibung gesehen habe ...
und dann gibt es noch 3 somalische Aerzte, die im Krankenhaus arbeiten:
Mein "Zwilling" ist Abdirahim. Er ist Mitte 40, eigentlich OP-Pfleger, arbeitet aber seit ungefähr 15 Jahren als Chirurg. und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt: seine anatomischen Kenntnisse sind enorm, er ist ein hervorragender Operateur, er hat, weiss der Geier woher, ein ziemliches medizinisches Wissen, und er geht sehr respektvoll mit den Patienten um. Zwilling ist eigentlich der falsche Ausdruck, denn für mich ist er ein exzellenter Lehrmeister. Nicht nur, was spezielle tropische Probleme angeht oder Schussverletzungen (er hat jahrelang mit dem Internationalen Roten Kreuz in Mogadischu gearbeitet), ich lerne auch von ihm, wenn wir Hernien oder Hydrocelen operieren. Erstaunlicherweise hat er mich vom ersten Tag an akzeptiert, wir assistieren uns gegenseitig (und können sehr gut miteinander operieren), wir diskutieren jeden Patienten miteinander und er ist sehr offen, wenn es um die Entscheidung für das eine oder das andere Behandlungsschema geht. Ich hätte es wohl nicht besser treffen können - ihm allerdings würde ich jemanden mit Spezialkenntnissen in plastischer Chirurgie oder endokriner Chirurgie wünschen, wo ich ihm leider nur begrenzt weiterhelfen kann. Sein einziges Problem ist, dass er eben formal kein Arzt ist, und das lassen ihn die beiden anderen immer wieder deutlich spüren. Also versuche ich nach Kräften, seine Position zu stärken, entscheide nichts ohne Rücksprache mit ihm, und er ist klug genug, in solchen Momenten sehr bescheiden aufzutreten. Insgesamt versuchen wir einfach, als "das chirurgische Team" aufzutreten, und meistens nehmen wir noch Hassan dazu.
Die beiden anderen, das sind Dr. Halane und Dr. Bashir (der Pädiater, Marias Zwilling). Dr. Halane war schon der Krankenhausdirektor, als das Krankenhaus irgendwann zu Beginn der 80-er Jahre noch funktionniert hat. Seine medizinischen Kenntnisse sind ok, auch wenn er uns ab und zu Patienten mit "Beinzittern" in die chirurgische Sprechstunde schickt oder mit Verdacht auf perforierte Appendizitis, wenn sie Bauchweh haben eine Woche nach Geburt. Ich bin gespannt, ob ich es mal erleben werde, dass Dr. Halane einen Patienten selber anfasst ... . Mit mir ist er allerdings sehr freundlich, insgesamt der Typ Verwaltungs-Politiker, also trinke ich ab und zu Tee mit ihm (und Abdirahim, das "chirurgische Team" gibt's nur als Team) und versuche ansonsten, ihn seine Wege gehen zu lassen.
Dr. Bashir ist ein Spezialfall. Er sieht aus wie aus einem schlechten Comic mit seiner Sonnenbrille über den Augenbrauen und der Zigarette in der Hand, und riecht auch so wie aus einem schlechten Comic, wahrscheinlich werde ich irgendwann an seinem After Shafe kleben bleiben. Offenbar hat er in Russland Medizin studiert, ich möchte besser nicht wissen, was er dort wirklich gemacht hat und auch nicht, ob er überhaupt Russisch spricht. Seine Diagnosen sind irgendwo zwischen wirr und komisch, seine Medikamentendosierungen phantasievoll und seine Arbeitsmoral - na ja, es führen sicher viele Wege nach Rom. Eigentlich ist er für die Notaufnahme zuständig (einer der häufigsten Funksprüche neben "Pierre, das Licht geht nicht", ist "Dr. Bashir, Dr. Bashir for Emergency Room"), nebenbei macht er Privatsprechstunde, und das bedeutet in beiden Fällen, dass Patienten, die unhöflicherweise kompliziert sind oder gerade ungelegen kommen, als chirurgisch deklariert werden (oder pädiatrisch, wenn sie unter der Türklinke durchpassen). Na ja, er ist freundlich und ärgert mich nicht, also trinke ich auch ab und zu Tee mit ihm (selten, wegen des After Shaves und weil er nicht mit Abdirahim Tee trinken will genausowenig wie mit allem anderen niederen Volk).
Die Oberschwester heisst Ahmed und war schon Oberschwester (Oberpfleger?), als das Krankenhaus noch funktionierte. Er ist nebenbei Imam an einer der örtlichen Moscheen, hat 4 Frauen und 18 Kinder, eine Menge Humor (den braucht man wahrscheinlich auch mit 4 Frauen und 18 Kindern ...), und erstaunlicherweise kommen wir perfekt miteinander aus. Er findet zwar, ich sei zu weich mit den Schwestern, ist aber hochzufrieden damit, wie ich mich um die chirurgische Station kümmere, unterstützt uns in allem und ist als Autorität der Stadt und seiner Gemeinde eine echte Hilfe, wenn es zum Beispiel darum geht, eine Patienten wieder aufzutreiben, der bei der blossen Erwähnung einer möglichen Amputation auf dem gesunden Bein aus dem Krankenhaus geflüchtet ist oder wenn ein Patient, der wegen eines Verkehrsunfalls auf dem Weg von Addis Abeba nach Mogadischo (wir liegen an der Hauptverkehrsstasse) bei uns gelandet ist, tagelang im Hof campiert, weil er kein Geld hat für die Fahrkarte zur Weiterfahrt.
Alles in allem also eine Menge Leute, mit denen es sich gut arbeiten lässt - besser als in manchen Teams des vergangenen Jahres!
Sonntag, 17. Juni 2007
was für ein Tag
es wird Zeit, dass ich Euch ein bisschen von meinem Team hier erzähle - aber gleich stellt der Generator ab ...
Freitag, 15. Juni 2007
Roland Garros
Ausgangssperre. Die ganze Stadt ist nervös, ethiopische Soldaten alle 100 m, der Markt vollständig verlassen, sogar der todesmutige Hahn, der mich morgens weckt und der ein ziemliches Risiko eingeht, bald im Ganzen in einem Kochtopf weiterzukrähen (und das würde er wahrscheinlich sogar noch tun, nachdem wir ihn gegessen haben), ist ziemlich still geworden.
Der somalische Premierminister ist im Anmarsch, keiner weiss genau, weshalb, die Gerüchte fliegen schneller als der Wind. Da wir nicht ins Kreuzfeuer greaten wollen, bleiben wir im Haus und lösen die dringensten Probleme im Krankenhaus per Funk.
Nebeneffekt: mit der Satelitenschüssel für das Telephon lässt sich auch Satelitenfernsehen empfangen, und wir können das Endspiel der French Open anschauen, jedenfalls wenn der Premierminister solange bleibt.
Mein neues Zuhause
Es ist ein altes Hotel an der Haupt- und Marktstrasse. Altes Gemäuer, vor den Fenstern diese durchlöcherten Steinverziehrungen, die gleichzeitig Schatten machen und den Blick von aussen versperren. Am Tor stehen 2 Wachleute, und bevor sie das Tor aufmachen, laden sie ihre Gewehre durch – hässliches Geräusch. Im Erdgeschoss ist die Kommunikationslogistik (und Inshallah, die Land-Internetverbindung sollte demnächst wieder in Gang kommen) und die Büros. Wir sind gar nicht so schlecht ausgestattet, einige Laptops, ein Kopierer, Drucker, das Satelitentelephon, und, Mama: sogar mehrere Locher.
Im ersten Stock unsere Zimmer, ausreichend gross, ausreichend komfortabel, Dusche/Toiletten zusammen, Ventilatoren an der Decke. Mit meinem kleinen Faible für Kitsch ist es sogar charmant, dass sie zu lindgrünem Wandanstrich pink-orange Vorhänge kombiniert haben.
Im zweiten Stock die Küche, ein grosser Gemeinschaftsraum und eine schattige Dachterasse mit Hängematte. Palmen vor der Nase, ein unglaublicher Sternenhimmel abends, Abendessen draussen im Licht von Petroleumlampen, kaum Mücken, zwei, drei kleine Ameisen – wenn nicht das hässliche Geräusch beim Oeffnen des Tores wäre, fast ein Ferienparadis.
Abflug nach Somalia
So absurd das aus der Entfernung klingt, am Flughafen von Nairobi wundert sich keiner, wenn man “das Flugzeug” – “welches hätten Sie denn gerne?” nach Somalia sucht. Unseres war eine kleine Cesna, 12 Plätze, unerschrockener britischer Pilot in den Fünfzigern, der einmal pro Woche die Tour macht zwischen den MSF-Projekten in Somalia.
Um es kurz zu machen, Lothar: nicht nur die Landepiste in Belet Weyne hat Grasbüschel und Löcher, alle anderen auch. Kommentar des Piloten: “ui, nach den Ueberschwemmungen im Dezember war viel viel mehr Grünzeug da!”. Komischerweise war es trotzdem ein gemütlicher, angenehmer Flug!
Nairobi
Das war wahrscheinlich der angenehmste Flug, den ich jemals hatte: 2 Sitze, 3 Zeitschriften, und ein Stewardessenteam, das mit aller Macht an die vergangene Sevice-Glanz und Gloria Zeiten der Swissair anknüpfen wollte.
Vier Arten von Passagieren: 1. dunkler Anzug, eventuell ohne Kravatte : Weltbank oder höhere UN. 2. komischer Anzug, Köfferchen, mit jedem und allem schwatzend: Geschäftsleute. 3. Rucksack und 3-Tagebart: auf dem Weg auf den Kilimandscharo. Wenn grauhaarig, dann sicher mit vieltaschiger Tropenweste und “ich fang den Tiger”-Blick. Und 4. Leinenhose, Hemd, evt. Jacket (hell!), je alter, desdo weniger Gepäck (schliesslich ist man weltgewandt und weiss auch in Nairobi, wo man eine Zahnbürste herbekommt. Im Gegensatz zu mir, die in Genf am Flughafen einen mitleidigen Blick geerntet hat, als ich meinen Koffer ächzend auf das Gepäckband gehieft habe. Einmal Hervorkruschteln der MSF Mission Order allerdings: und wie durch Zauberhand durfte das ganze Zeug passieren.): Unicef, Welternährungsorganisation, NGO’s.
Der MSF-Fahrer stand direkt vor meiner Nase, als ich aus der Zollkontrolle kam, ausgerüstet mit grossem Schild, Wasserflasche (“Durst?”) und Kenianischen Schilling für mich (“Hunger?”) – und zumindest die Wasserflasche war eine gute Idee für die folgende staubige Stunde rush hour durch Nairobi.
Zum Abendessen sind wir dann, um den Kulturschock zu vervollständigen, indisch essen gegangen. Das ist nicht so absurd, wie es klingt, es gibt eine Menge Inder in Kenia, sogar Gandhi war mal dort. Und ich hatte das dunkle Gefühl, dass ich noch genug Kamel zu essen bekommen würde … . Also noch ein letztes Bier und letzte Informationen in einem dieser weltweit existierenden internationalen Kneipen.
Dienstag, 5. Juni 2007
Genf
Es gab viele interessante Informationen: über MSF allgemein, das Projekt, mein Vertrag, die Versicherungen. Es war auch gut, dem Projektverantwortlichen (ein Holländer) einmal die Hand zu schütteln. Er ist der jenige, der milde Sommerabende am Genfer See eintauschen muss gegen hektische Telephonate im stickigen Büro, falls mir etwas passiert. Und er hat auch nochmal die Sicherheitsregeln festgelegt: keine Spaziergänge, und die Strecke zwischen Krankenhaus und Wohnhaus (150 m) wird im Auto mit Begleitschutz zurückgelegt.
eine fast unglaubliche Begebenheit: alle Dokumente da! nicht ein einziges Stück Papier, Photo oder sonst was musste in Panik aus dem Nichts gezaubert werden.
Impfungen
auf den post-Party-Kater haben sie allerdings dankenswerter Weise bisher verzichtet, vielleicht als Dank dafür, dass ich nicht schon beim Anblick der vielen Spritzen ohnmächtig geworden bin.
Postadresse
Medecins Sans Frontieres
Christine Maurus, Somalia Mission
78, Rue de Lausanne
1002 Geneva
Switzerland
der weitere Transport ist dann ein bisschen unkalkulierbar, d.h. es gibt eine Art Postabstellkammer, wo jeder, der von hier abfliegt, vorbeigehen muss, um die entsprechenden Fächer zu leeren und den Inhalt bis zur nàchsten Postabstellkammer weiterzutransportieren. Ich weiss nicht, wie weit da Pferde- oder Kamelrücken involviert werden ...
Freitag, 1. Juni 2007
Wetter
http://wetter.msn.com/local.aspx?wealocations=wc:6783568
