ha, das gefällt mir, Fraukes Beschreibung! genau das haben wir hier nämlich, eine Klinik unter Palmen. Die soap operas vergessen halt ein bisschen, dass diese Palmen auch Palmfrüchte haben, und gestern ist eine solche einem motzenden Patienten-Angehörigen direkt auf den Kopf geplumpst. ich meine, geht es noch bildlicher?
Ihr tut mir wirklich ein bisschen leid in Eurem verregneten Europa-Sommer! hier ist es nämlich weiterhin extrem angenehm: immer ein bisschen Wind, strahlende Sonne morgens, nachmittags bewölkt es sich ein bisschen, abends fegt der stärkere Wind vom Meer her (das immerhin 300 km weg ist) den Sternenhimmel wieder klar. freundliche 30-35°C am Tag, angenehme 25°C mit einer leichten Brise nachts.
das gefällt auch unseren regelmässigen Besuchern: letzte Woche war unser operationeller Chef aus Genf hier, der ziemlich gestresst und schlafmangelnd direkt aus der Budgetrevision ankam, und wir haben ihm einen echten Ferientag gegönnt, zwischen Hängematte und Mangosaft und Kamel zum Abendessen ... und er war ziemlich erstaunt, dass er sich nach einer Woche "Somalia" tatsächlich erholt und frisch gefühlt hat. Vielleicht bekomme ich ja auf diese Weise doch noch dieses nette kleine tragbare, aber sündteure Ultraschallgerät genemigt (bzw. Abdirahim und der nächste Chirurg hier ...).
und diese Woche begrüssen wir den Cheflogistiker für Somalia, Sudan und Ethiopien hier unter unseren Palmen. Gestern sind wir zusammen mit Pierre den neuen, Inshallah bald renovierten OP angeschritten, und es war extrem spannend: plötzlich finde ich mich mitten in der Konzeptplanung für Dinge wie "Trennung von sauberem und schmutzigem Material", "OP-Tisch längs oder quer", "Ausrichtung von Türen zur Vermeidung von Durchzug, der Staub mit sich transportiert" und "wieviel Platz und Lüftung braucht der Sterilisationsautoklav" wieder. Spannend, da ich mich noch nie mit der Planung eines Operationstrakts beschäftigt habe, spannend, weil ich plötzlich realisiert habe, dass dieses hartgesottene MSF-Urgestein tatsächlich auf einige praktische Details des Chirurgenteams angewiesen ist, spannend, weil ich in die strukturelle Planung von etwas längerfristigem involviert bin, das bleiben wird. Und es bewahrheitet sich immer wieder, dass man nie weiss, wann man einmal erworbenes Wissen wird anwenden können. Was haben mich die 3 e-mails pro Woche in Winterthur genervt, in denen jedes Detail der Renovation des OP-Traktes ausgebreitet wurde! und was bin ich plötzlich froh, dass ich zumindest ein paar davon doch gelesen habe und nicht sofort in den Papierkorb expeditiert habe. Denn jetzt haben wir die Chance, es gut anzugehen, anstatt uns in einem irgendwie eingerichteten Behelfts-OP irgendwie durchzuschlagen!
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1 Kommentar:
Und nun, lieber Spatz, kommen auch noch die Gene der Vorfahren zutage; denn Bauen, Planen und Gestalten, das war eine Lieblingsbeschäftigung Deiner Großmuttili, wenn auch sicherlich nicht Räume wie z.B. OP;!!! Du scheinst wirklich jeden Aspekt auszuloten, und das wie es nach Deinen Berichten scheint, mit sehr viel Einfühlungsvermögen. So bleibt etwas vor ort, chapeau!
Sei ganz herzlich, fest und lieb umarmt von Deiner Mami
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