na also, auf einen schlechten Tag folgt ein guter ... und noch ein guter!
na ja, ich kämpfe immer noch mit unserem neuen Anästhesisten, der zwar wunderbare Vorträge darüber halten kann, wie nützlich Narkosen MIT Intubation sind, wie wir unsere Indikationsstellungen verbessern können und wie die Putzfrauen besser den Boden im OP reinigen könnten, aber leider keinen blassen Schimmer über den nächsten Patienten hat und uns auch heute morgen wieder eine Operation gecancelt hat, einfach weil er verpasst hat, sich den Patienten mal näher anzusehen. Es ist plötzlich ziemlich ermüdend, nicht nur die eigenen Patienten, die Schwestern, das OP-Personal, die Instrumente, die Hebammen und die Katzen im Auge zu behalten, sondern auch noch die Anästhesieabteilung zu schmeissen ... und einmal mehr: ich vermisse Hassan, und ich merke jeden Tag mehr, was er alles so im Hintergrund gemanagt hat. Aber wie heisst es so schön: wenn es einfach wäre, könnte es jeder!
und so habe ich einen relativ friedlichen Nachmittag damit zugebracht, mit Abdirahim unter den Bäumen im Garten des Krankenhauses zu sitzen, uns den Tee nachfüllen zu lassen, und Hinz und Kunz (bzw. Abdi und Mohamed) von A nach B zu schicken. Die Patienten fanden das natürlich klasse, endlich das Chirurgenteam mal zum Greifen nahe und haben das weidlich ausgnützt, um eine Art Privatvisite zu veranstalten, und sind einer nach dem anderen mitsamt ihren ausgedehnten Familien mal zum Händeschütteln vorbeigekommen. Fein, ein bisschen socializing ist auch wichtig!
unsere beiden guten OP-Pfleger haben solange eine kleine Operation alleine durchgeführt, ich habe sie jetzt mal alleinegelassen mit den Worten "ruft uns, wenn Ihr uns braucht", und nach einer halben Stunde kamen sie stolz und strahlend angetrabt, alles prima, sogar alle Papiere ausgefüllt, und ganz ohne Hilfe! es ist so schön zu merken, wie sie Selbstvertrauen entwickeln, wie sie lernen und die Dinge auch so umsetzen, wie ich es möchte. Und wichtig für die Gesellschaft hier: schliesslich will ich ja nicht für immer hierbleiben.
Apropos hierbleiben: gestern abend hat mein Team beschlossen, dass sie mich nicht mehr gehenlassen. Einwand Nr. 1: dann muss ich doch heiraten, oder? grosse Begeisterung, 1'000 Vorschläge. Einwand Nr. 2: Ihr habt mir doch erklärt, dass eine Frau über 20 nicht mehr unter die Haube zu bringen ist hier, denn eine Frau über 20, die noch nicht verheiratet ist - da muss ein Problem sein. Unsinn, noch grössere Begeisterung, Präzisierung der Vorschläge. Einwand Nr. 3: aber wenn ich hierbleibe und heirate und dann 16 Kinder bekomme, dann kann ich nicht mehr als Chirurgin mit Euch arbeiten. Gelächter, abgeschmettert: doch Du kannst das. erst Einwand Nr. 4 konnte sie stoppen: dann kommt mein Papa und schleppt mich persönlich heim. ups, Papa-Christine war ein ernsthaftes Hindernis!
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4 Kommentare:
....so scheint sich ja nach den vorherigen Tagen zu bewahrheiten, "alles wird besser und vor allem, es hilft, was ihr da anbieten könnt".
Du hast die volle Unterstützung, aber dennoch, bitte,komm auch im vorgesehenen Zeitraum wieder heim. Wie geht es eigentlich den anderen "expats"in der islamisch geprägten Welt? Hier rumort so mancher Bericht über das Horn von Afrika.
Paß gut auf Dich auf, liebe Christine, sei gut beschützt und fest umarmt mit sehr herzlichen Grüßen von deinen MaPa
Es ist immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art, wie der Monitor durch Deine Berichte zu einem Fenster nach Somalia wird, und Du dadurch an Deinem Leben dort teilhaben lässt. Es ist ein Leben der besonderen Art, und es ist gut zu lesen, wie Du mit Tatkraft und Zuversicht so mit allem zurechtkommst. Früher haben wir in Religion in der Schule für die "Heidenkinder" gebetet, jetzt kann man für jemandem beten der ihnen hilft und den man kennt; seltsam, wie sich Kreise schließen können. Sei herzlich gegrüßt und über was weiß ich wieviel Tausend Kilometer umarmt von Hilke und Karl-Heinz
Es ist immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art, wie der Monitor durch Deine Berichte zu einem Fenster nach Somalia wird, und Du dadurch an Deinem Leben dort teilhaben lässt. Es ist ein Leben der besonderen Art, und es ist gut zu lesen, wie Du mit Tatkraft und Zuversicht so mit allem zurechtkommst. Früher haben wir in Religion in der Schule für die "Heidenkinder" gebetet, jetzt kann man für jemandem beten der ihnen hilft und den man kennt; seltsam, wie sich Kreise schließen können. Sei herzlich gegrüßt und über was weiß ich wieviel Tausend Kilometer hinweg umarmt von Hilke und Karl-Heinz
.. und dann hat der Papa heute morgen seine Tasche genommen,.... ich habe ihn zum Flughafen gebracht und.....,
heute abend wieder abgeholt :-),
sehr herzliche und liebe Grüße, paß weiter gut auf Dich auf und gönne Deinem Schutzengel auch mal eine kurze Verschnaufpause;Mami und Papa
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